Die Ausstellung des Monats September 2017

Das Lenbachhaus in München zeigt im Kunstbau noch bis zum 17. September „After the Fact – Propaganda im 21. Jahrhundert“, eine Ausstellung, die wir – auch wegen der aktuellen politischen Lage und Ereignisse – besonders empfehlen möchten.

Alle Bewerbungen – auch aus den Vormonaten, wenn die Ausstellungen noch aktuell sind – zeigen wir Ihnen in einer Liste und in Einzeldarstellungen, jeweils mit Infotext und Bild.

Alle Bewerbungen auf einen Blick  >


After the Fact.
Propaganda im 21. Jahrhundert

Die beste Propaganda erscheint im Gewand der Entertainments. 
(N.J. O'Shaughnessy)
After the Fact – Coco Fusco 1
COCO FUSCO, A Room of One's Own: Women and Power in the New America (Ein eigenes Zimmer: Frauen und Macht im Neuen Amerika); Performance, Whitney Biennial 2008; Photo Eduardo Aparicio. Courtesy der Künstlerin und Alexander Gray Associates / Courtesy the artist and Alexander Gray Associates, New York; © VG Bild-Kunst, Bonn, 2017

Mit dem 21. Jahrhundert beginnt eine neue Ära politischer Propaganda. Geopolitische Ereignisse wie der 11. September, der von Georg W. Bush erklärte War on Terror, die Einführung der Gemeinschaftswährung der Europäischen Union und die Kriege im Nahen Osten haben über die Jahre zu verhärteten Fronten geführt: Okzident und Orient, Freiheitskämpfer und Terroristen, Wutbürger und Lügenpresse, die Europäische Union als Wunschziel (für Migranten aus kriegsversehrten und ärmeren Ländern) und Fluchtgrund zugleich (Brexit) – diese und andere polarisierende Kategorien prägen seitdem die politische Diskussion.

Propaganda als strategische Praxis der Kommunikation und Einflussnahme ist in aktuellen gesellschaftlichen Prozessen allgegenwärtig. Dennoch wird der Propagandabegriff heute zumeist gebraucht, um historische Phänome oder Missstände ‚anderswo‘ zu bezeichnen. Euphemismen wie „strategische Kommunikation“, „politisches Management“ oder schlicht „Marketing“ werden in westlichen Demokratien anstelle des negativ besetzten Ausdrucks verwendet, um Methoden unterschiedlich gearteter Meinungsmache zu umschreiben.

After The Fact – Bradley 7am
After the Fact – Bradley 8am
BRADLEY DAVIES, Sun / TIMES, 2014; Zeitung, Sperrholzaufsteller; Maße variabel; Courtesy des Künstlers / of the artist
After the Fact – Ferguson
SANDOW BIRK, Standing Down (Ferguson) (Rückzug [Ferguson]), 2016; Acryl auf Leinwand, 76,2 × 121,92 cm; Courtesy der Künstler und / of the artist and P.P.O.W. Gallery, New York
After the Fact – Hinant
CINDY HINANT, Barely Holding It Together (Sie kann sich kaum noch zusammenreißen), 2012; Aus der Serie Celebrity Grids (Celebrity Raster);
Kugelschreiberzeichnung auf Polyesterfilm, Archiv-Pigmentdruck; 28 × 21,6 cm; Courtesy der Künstlerin / of the artist
Künstler*innen finden verschiedene Wege des Umgangs mit Propaganda. Sie adaptieren ihre historische Formensprache, karikieren oder fiktionalisieren politische Täuschungsmanöver und sehen sich zugleich mit neuen Tendenzen konfrontiert, die ihre Kunst zu instrumentalisieren suchen. Anhand von künstlerischen Positionen sowie tagespolitischer Berichterstattung beabsichtigt After the Fact, Propaganda in ihren Verfahren und Zielen im Hier und Jetzt zu lokalisieren und als Konzept neu zu beleuchten.

Begleitend zur Ausstellung findet in Kooperation mit den Münchner Kammerspielen ein Veranstaltungsprogramm statt.
Mit Coco Fusco, Alfredo Jaar, Carlos Motta, Khalil Rabah, Aura Rosenberg, Sean Snyder, Franz Wanner, u.a.

After the Fact. Propaganda 2001–2017
30. Mai bis 17. September 2017
Städtische Galerie im Lenbachhaus
Kunstbau
Luisenstraße 33
80333 München

www.lenbachhaus.de

November 2017 >