Die Ausstellung des Monats Oktober 2017

Karl Fred Dahmen, einer der Pioniere der deutschen Nachkriegskunst (1917-1981) wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass zeigt das MKM Museum Küppersmühle in Duisburg, in Kooperation mit dem Leopold-Hoesch-Museum, Düren, die bislang umfangreichste Retrospektive des Künstlers mit Gemälden, Collagen und Objekten aus allen wichtigen Schaffensphasen. Die Ausstellung ist noch bis zum 5. November in Duisburg zu sehen, in Düren bis zum 26. November.

Alle Bewerbungen – auch die Ausstellungen aus den Vormonaten, die noch geöffnet sind – präsentieren wir Ihnen in Einzeldarstellungen mit Infotext und Bild.

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KARL FRED DAHMEN.
Das Prinzip Landschaft

Dahmen – Rotes Bild
Karl Fred Dahmen, Rotes Bild, 1965; Mischtechnik auf Leinwand, 212 x 217 cm; Sammlung Ludwig – Ludwigforum für Internationale Kunst Aachen; © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Ann Münchow, Aachen
Dahmen – Portrait
Karl Fred Dahmen Stolberg, 1958
Foto: Ann Bredol-Lepper, Aachen

Karl Fred Dahmen ist der große Unbekannte unter den Pionieren der deutschen Nachkriegskunst. Der Maler und Objektkünstler, eine der prägenden Figuren des deutschen Informel, würde in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiern. Aus diesem Anlass zeigen das MKM Museum Küppersmühle, Duisburg und das Leopold-Hoesch-Museum, Düren die bislang umfangreichste Retrospektive des Künstlers mit nahezu 200 Werken. In Duisburg sind Gemälde, Objektkästen und Installationen zu sehen, mit denen der Documenta-Teilnehmer Dahmen einen grundlegenden künstlerischen Neuanfang nach der Zäsur durch das Dritte Reich verfolgte. Die „Abstraktion als Weltsprache“ hat Dahmen immer als Experiment mit offenem Ausgang begriffen und ein enorm vielseitiges Werk geschaffen, das die Ausstellung in großer Bandbreite präsentiert. Die Präsentation in Düren setzt den Schwerpunkt auf das grafische Werk (Laufzeit Düren: 24.09.-26.11.2017).

Dahmen – Blaue vertikale Figur
Karl Fred Dahmen, Blaue vertikale Figur, 1964/65; Mischtechnik auf Leinwand 135,5 x 110,5 cm; Thomas Schiela; © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 Foto: Saša Fuis Photographie, Köln
Dahmen – Lanzarote
Karl Fred Dahmen, Lanzarote, 1963; Mischtechnik auf Leinwand, 175 x 150 cm; Sammlung Ludwig – Ludwigforum für Internationale Kunst Aachen; © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / Foto: Ann Münchow, Aachen

Ausgehend vom Frühwerk legt das Museum Küppersmühle den Fokus auf die abstrakten und informellen Gemälde der 1950er- und 1960er-Jahre sowie die Objektkästen und Polsterbilder der späten 1960er- und 1970er-Jahre und schlägt den Bogen bis zu den ‚Furchenbildern‘, mit denen Dahmen in den letzten Jahren vor seinem Tod zur Leinwand zurückkehrt.

Wie vielen seiner Künstlerkollegen ging es ihm um nichts weniger als einen grundlegenden Neuanfang in der Kunst nach der Zäsur durch Nationalsozialismus und Weltkrieg. Als Mitbegründer der Gruppe 53 und Teilnehmer der documenta II ist Dahmens Name insbesondere mit dem deutschen Informel verbunden, dabei hat er die „Abstraktion als Weltsprache“ immer als Experiment mit offenem Ausgang begriffen. „Er hinterfragt unablässig sein künstlerisches Schaffen und entwickelt sich und seine Kunst immer wieder weiter“, so Kuratorin Ina Hesselmann. „Dabei erprobt er sich in verschiedenen Techniken wie Malerei, Collage und Montagen bis hin zu raumgreifenden Installationen. Er ist Maler, Grafiker und sogar ein guter Handwerker, wenn man an die Objektkästen denkt.“ 

Im Unterschied zu Künstlerkollegen wie K.O. Götz oder Bernard Schultze steht bei Dahmen nicht das Expressive, Gestische im Mittelpunkt. „Ich bin niemals in diesem Sinne ein echter Informeller oder Tachist gewesen“, hat der Künstler über sich selbst gesagt. Seine Werke lassen sich eher als ‚Farblandschaften‘ beschreiben: Kontrollierte Kompositionen, die sich aus dicken, krustigen Lagen erdiger Farbe entwickeln, sogenannte ‚terrestrische‘ Bilder. Wie ein Landschaftsgestalter trägt Dahmen Schicht über Schicht auf, um die Strukturen wie ein Archäologe unmittelbar wieder freizulegen.

Dahmen – Das Auge
Karl Fred Dahmen, Das Auge, 1965; Montagebild mit Scheinwerfer auf Leinwand, 110,5 x 40,5 cm; Karl Fred Dahmen, Nachlassverwaltung Van Ham Art Estate, Köln; © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Nadja Leuci (Saša Fuis), Köln
Dahmen – Chiemgaulegende
Karl Fred Dahmen, Chiemgaulegende, 1972; Objektkasten, 45,5 x 36,5 x 6,5 cm; früh kunst, Hermann R. Müller, Köln; © VG Bild-Kunst, Bonn 2017; Foto: Nadja Leuci (Saša Fuis), Köln
Dahmen – Montagebild
Karl Fred Dahmen, Montagebild (zweiteilig), 1966; Montagebild mit Korsett, Scheinwerfern und Plastikteilen auf Rupfen, 182 x 304,5 x 21 cm; Privatsammlung Köln; © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Saša Fuis Photographie, Köln

Zunehmend sprengt der Künstler den Rahmen seiner Leinwände: Zunächst durch reliefhaften Farbauftrag, später durch das Einfügen von Fundstücken und Alltagsgegenständen wie Schläuchen oder Metallteilen. Diese sogenannten ‚Montagebilder‘ sind der erste Schritt in die Dreidimensionalität, denen ab Mitte der 1960er Jahre unterpolsterte Bilder und Objektkästen folgen: Mit Glas verschlossene Bildkästen, in deren Innerem Fundstücke versammelt sind. Das Material für diese Werke findet Dahmen auf Schrottplätzen oder Müllkippen. Die Gegenstände wählt er nach formalen, ästhetischen Gesichtspunkten aus und bringt sie in einen neuen Kontext. „Karl Fred Dahmen ist in seiner Art durch und durch ein Macher, kein Denker“, erläutert Hesselmann zur Vorgehensweise des Künstlers. Das Experimentelle, Handwerkliche ist sichtbarer Teil des Werks.

Ob experimentelles Objekt oder ‚traditionelle‘ Leinwand, Grafik oder Collage: Die Konstante in Dahmens Werk sind Landschaften. Sie haben ihm zeitlebens unmittelbare Impulse für sein Werk geliefert, zunächst die aufgebrochenen Industrielandschaften seiner Heimat Stolberg bei Aachen, später die satten bayerischen Landschaften des Chiemgau. „Das Prinzip Landschaft“ – so der Titel der Ausstellungen – war sein Lebensthema. Dabei ging es nie um das Abbilden, sondern um das Neu-Bilden: „Ich male keine Landschaft, ich mache eine“, hat Dahmen formuliert und damit sein Lebenswerk auf den Punkt gebracht.


KARL FRED DAHMEN. Das Prinzip Landschaft 
22. September bis 5. November 2017
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst
Philosophenweg 55
47051 Duisburg (Innenhafen)
www.museum-kueppersmuehle.de


Ein Projekt der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn
www.stiftungkunst.de 
Kuratoren: Ina Hesselmann, Thomas Weber

Kooperation mit dem Leopold-Hoesch-Museum in Düren
Laufzeit Düren: 24.09.-26.11.2017

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